Special 2 - Gab es das Panzerduell gar nicht ? (15)
Alle nachfolgenden Originalbilder - soweit nicht ausdrücklich anders dargestellt - stammen als Public Domain aus dem Archiv NARA, BPR (Air Forces Group) und wurden über diverse Quellen im Internet bezogen, Standbilder aus dem Originalfilm von Bates und Rosenmann stammen auch aus der Fassung des Originalfilms auf der DVD "1945 - Kriegsende in Köln" von Hermann Rheindorf.
b.) Die Abstrafungstheorie
Die These der Nachstellung des Fotos zwecks gezielter öffentlicher Abstrafung des Sherman Panzers (der Sherman ist ein schlechter Panzer, es müssen bessere Panzer wie Pershings her) kann ebenfalls nicht überzeugen.
- Zum einen ist diese Szene z.B. in der im Internet verfügbaren Wochenschau "Allies drive across Rhine to victory", von den Universal Studios im März 1945 hergestellt, in der auch vom Einmarsch in Köln berichtet wird, garnicht zu sehen. Im Gegensatz vom Panzerduell Pershing / Panther am Dom, welches umfangreich gezeigt wird. Bestrafungseffekt dort also gleich null.
Rheindorf selber gibt an einer Stelle der Doku auch zu, daß die grausamen Filmszenen des Sherman nach dem Beschuß seinerzeit nur sehr selten zu sehen waren.
- Zum anderen wäre eine Abstrafung durch die Bekanntgabe von Abschußzahlen sicherlich viel eindrucksvoller gewesen als den Abschuß eines einzelnen Sherman zu zeigen - dieser war ja nicht der einzige Sherman, der im 2. Weltkrieg abgeschossen wurde.
- Und dann, hier ist doch ein Sherman ganz überraschend aus dem Hinterhalt abgeschossen worden. Was soll daran nun der Abstrafungseffekt für einen ganzen Panzertyp sein ? Hier hat ja kein direkter Kampf "Auge in Auge" stattgefunden, wo der verlierende Panzer vielleicht noch als schlecht bezeichnet werden könnte, weil er den direkten Kampf verloren hat und ihn auch niemals gewinnen konnte.
- Schließlich wurde bereits weiter oben festgestellt, daß der Pershing längst in die Massenproduktion gestartet war. Es bedurfte also überhaupt keiner Abstrafung eines älteren Panzers zur Stärkung eines neuen Panzertyps.
Die Abstrafungstheorie läßt sich danach nicht ernsthaft aufrecht erhalten.
c.) Oliver Griffin
Somit ist die Theorie des nachgestellten Abschusses in der Komödienstraße im Laufe der Doku auch eigentlich schon abgehakt, als fast zum Ende des Films Rheindorf noch einmal einen letzten Versuch wagt, die Echtheit der Aufnahme doch noch ins Wanken zu bringen. Dies passiert natürlich vor dem Hintergrund und mit der Rückendeckung des zuvor behandelten und von Rheindorf nach vielen "Beweisen" als Fälschung deklarierten Panzerduells Pershing / Panther, insbesondere des Briefes von Miller und den vermeintlichen Promotion-Hintergründen. Also nach dem Motto dort gefälscht, also auch hier gefälscht. Aber dieses wurde hier ja zuvor schon als nicht zutreffend abgehandelt und kann keine Rückendeckung mehr sein.
Kurz vor Schluß des Films jedenfalls fragt Rheindorf noch einmal, wer in dem berühmten Bild von Ramage die zwei Männer sind, die auf der Straße laufen Bildquelle: The U.S. Army 3rd Armored Division History Website
Rheindorf findet in dem Bericht des Reporters Mike Levin den Namen Oliver Griffin, dieser hatte dem verletzten Kommandanten Keller geholfen. Rheindorf suggeriert dem Betrachter der Dokumentation, Griffin sei einer der beiden laufenden Männer auf dem Foto, indem er den Reporter-Bericht mit dem erwähnten Namen Griffin über das Foto mit den zwei Männern legt, belegt aber nicht, warum dies so sein soll. Rheindorf erhält von der Tochter des zwischenzeitlich verstorbenen Griffin am Telefon eine Erzählung über angebliche Äußerungen des Vaters. Dieser habe, wenn er das Bild gesehen habe, immer gesagt, ja, das sei der Panzer, aber er wüßte nicht wie sie das gemacht hätten, das auf dem Foto sei jedenfalls nicht er. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für den Journalisten Rheindorf und läßt seine Nachstellungstheorie scheinbar wieder aufleben. Das suggeriert er jedenfalls dem Betrachter. Denn wenn Griffin zitiert wird, daß er das nicht sei und er die Leute nicht kenne, suggeriert Rheindorf dem Betrachter natürlich, daß Griffin in jedem Fall auf dem Foto zu sehen sein müsse. Und da dies nach Griffins Aussage ja nicht der Fall sei, könne das Foto nicht authentisch sein.
Aber aufgepaßt !
Dazu muß man aber wissen, daß nach den mir vorliegenden Unterlagen Oliver Griffin ein Crewmitglied des abgeschossenen Sherman war, also des Sherman auf der rechten Seite des Bildes. Die beiden Soldaten auf der Straße laufen aber eindeutig vom links stehenden Panzer nach rechts bzw. auf den Fotografen zu. Es müssen also zwei Soldaten aus dem linken Panzer sein und damit kann es Oliver Griffin sowieso garnicht sein, der da zu sehen ist. Und daher konnte Oliver Griffin sich zu Lebzeiten auf dem Foto natürlich auch gar nicht wiedererkennen.
Wie Griffins Formulierungen vor seiner Familie denn bei der Betrachtung des Fotos dann auch genau lauteten, kann man ohnehin nicht mehr feststellen. Über den Beweiswert von Familienmitgliedern bei der Überlieferung von Erzählungen eines Zeitzeugen hatte ich ja bereits weiter oben geschrieben. Entweder hat Griffin also - aus welchen Gründen auch immer - in dem Irrglauben gelebt, er müsse einer der beiden Soldaten auf dem Bild sein oder er wollte seiner Familie nur sagen, daß er zwar an dem Vorfall beteiligt war - als Besatzungsmitglied des abgeschossenen Sherman -, daß er aber auf dem davon existierenden Foto eben nicht zu sehen sei und auch nicht wüßte, wer die beiden Soldaten seien. Das ist auch nachvollziehbar, er mußte ja nicht alle Soldaten der beteiligten Truppen kennen und somit wiedererkennen.
Was sind die mir vorliegenden Unterlagen, nach denen Griffin Crewmitglied des abgeschossenen Sherman war ?
Nun, im Magazin After the Battle, Ausgabe 104, wird der Bericht des Reporters Mike Levin zitiert, der am Kampfort anwesend war. Rheindorf hatte in anderem Zusammenhang bereits Levins Bericht für die Panzerduell-Fake-These genutzt und stellt Levin auch als glaubwürdig vor. Es ist der gleiche Bericht, in dem über das Auffinden der aus dem Panther geflüchteten deutschen Soldaten im Lazarett am Dom berichtet wird. Dort wird auch der Vorfall in der Komödienstrasse beschrieben. Griffin wird in der Tat dort als Retter beschrieben:
"The blast of the shell threw one crew member, assistant driver Oliver Griffin, out of his hatch, unhurt. Another man, the gunner, his left leg blown off at the knee, managed to crawl out of the turret and off the tank's deck. ... Helped by a medic, Ralph Arcelay, Griffin dragged his crewmate away from the Sherman and into a bomb crater, where they dressed his wound. War correspondent Mike Levin, a reporter from Overseas News Service, noted down Griffin's first reaction: "I don't know how I got out ... I don't know how he got out. The sons of bitches". The other three crewmen perished inside the tank. The incident was covered by at least two other photographers, Frenchman Eric Schwab of Agence France Press (who formed a team with Mike Levin) and Allan Jackson of International News Service...."
Zitat aus dem Magazin After the Battle, Ausgabe 104, Seite 21
Übersetzung:
"Der Luftdruck der Granate schleuderte ein Mitglied der Crew, Assistant Driver Oliver Griffin, aus seiner Luke, unverletzt. Ein anderer Mann, der Schütze, schaffte es mit einem unterhalb des Knies verlorenem linken Bein aus dem Turm zu kriechen und auf das Deck des Panzers zu kommen. ... Von einem Sanitäter, Ralph Arcelay, unterstützt, zog Griffin seinen Crewkameraden weg vom Sherman in einen Bombenkrater, wo seine Wunde versorgt wurde. Kriegskorrespondent Mike Levin, ein Reporter des Overseas News Service, schrieb Griffins erste Reaktion auf: "Ich weiß nicht, wie ich es heraus geschafft habe ... Ich weiß nicht wie er es heraus geschafft hat. Hurensöhne". Die anderen drei Crewmitglieder kamen im Panzer um. Über dieses Ereignis wurde von mindestens zwei weiteren Fotografen berichtet, dem Franzosen Eric Schwab von AFP (der ein Team mit Mike Levin bildete) und Allan Jackson vom International News Service...."
Die Enkelin von Oliver Griffin, Alicia, bestätigt in zwei mir vorliegenden Emails ebenfalls, daß ihr Großvater in dem abgeschossenen Panzer gewesen sei. Er habe dies ihrem Vater erzählt und dabei auch gesagt, daß sein Panzerkommandant getötet worden sei. Das paßt also genau auf den Panzerkommandanten Kellner - Tote im anderen Panzer hat es nach keiner Quelle gegeben. Ihr Großvater sei bei dem Vorfall auch verletzt worden war, Splitter trafen ihn am Arm. Ihr Großvater war auch davon ausgegangen, daß insgesamt zwei Personen (ihn eingeschlossen) den Abschuß des Sherman überlebt hatten. Dies mag nun auch erklären, warum er als Kommentar zu dem Foto gesagt hatte, daß er nicht wüßte, wer die zwei zu sehenden laufenden Personen da seien, jedenfalls nicht er ...
Auf dem Foto sind ja auch zwei Personen zu sehen und er ging vermutlich davon aus, daß diese zwei Personen nun er und der andere Überlebende sein müßten. Wie aber bereits festgestellt, waren die beiden Soldaten tatsächlich Crewmitglieder des auf der linken Seite zu sehenden Panzers, konnte Griffin sich also auch gar nicht wieder erkennen ...
In den amerikanischen Sherman-Panzern saßen üblicherweise 5 Soldaten, nach den englischen Bezeichnungen tank commander, gunner, loader, driver und assistant driver (bow machine gunner). Gialluca war bereits vor der Rheindorf DVD als Mitglied der Besatzung bekannt, Rheindorf fand noch drei weitere Namen und schloß mit diesen insgesamt vier Namen seine Crew-Liste ab:
Tank commander: Kellner
Gunner: Gialluca
Loader: Speer
Driver: Patrick
Assistant driver (bow machine gunner): ?????
Der assistant driver des Sherman wird von Rheindorf in seiner Doku außen vor gelassen, mit keiner Silbe erwähnt, geradezu verschwiegen. Was schreibt denn die Enkelin in ihrer Email dazu, auf welcher Position ihr Großvater saß ? Zitat aus einer ihrer Emails:
" .... My grandfather was Oliver Griffin, the assistant driver. ..."
Übersetzung:
"... Mein Großvater war Oliver Griffin, der assistant driver. ..."
Jetzt ist klar, warum Rheindorf die Position des assistant driver und seine Besetzung lieber gar nicht erwähnt.
Nach all diesen Informationen der Enkelin ist Oliver Griffin eindeutig Crewmitglied des abgeschossenen Sherman gewesen.
Seine These betreffend Griffin, die das Bild als Fälschung entlarven soll, ist damit kurz und schmerzlos ad acta zu legen.
Im o.g. Artikel der After the Battle wird auch der Fotograf Fred Ramage zitiert, der die aktuelle Situation zum Zeitpunkt des Treffers und das Foto beschreibt:
"An American was blown into the air. You can see him falling back onto the tank. One man from the other American tank ran to help; another to get an ambulance."
Zitat aus dem Magazin After the Battle, Ausgabe 104, Seite 21
Übersetzung:
"Ein Amerikaner wurde in die Luft geschleudert. Sie können ihn auf den Panzer fallen sehen. Ein Mann aus dem anderen amerikanischen Panzer läuft um zu helfen; ein anderer um eine Ambulanz zu holen."
Rheindorf verwendet die Textpassage über die Reaktion Griffins aus dem Bericht von Mike Levin in seiner Doku übrigens nicht. Sie ist zwar zu sehen, aber phonetisch gibt er isoliert nur den Teil des Berichts wieder, in dem Levin davon spricht, Griffin hätte dem verletzten Kommandanten geholfen. Im Hintergrund werden dann die beiden laufenden Soldaten gezeigt. Damit wird geschickt suggeriert, einer der beiden laufenden Soldaten auf dem Bild müßte Griffin sein. Und da zuvor Rheindorf auch schon einmal betont hatte, John Gialluca sei der einzige Überlebende des getroffenen Sherman gewesen, muß der nicht sensibilisierte Betrachter der Filmdokumentation zusammen mit der angeblichen Schilderung der Tochter Griffins ("hat sich auf dem Foto nicht wiedererkannt") einfach zu dem Ergebnis kommen, das Foto sei ein Fake. Was aber - wie wir nun wissen - ja nicht stimmen kann.
Oliver Griffin lag zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos vermutlich herausgeschleudert aus dem Sherman auf der für den Betrachter nicht sichtbaren Seite zur Hauswand hin, dorthin wo auch John Gialluca sich vom Panzer fallen ließ, den man ja auch nicht dort liegen sehen kann.
Mit Gialluca und Griffin gab es also zwei Überlebende der Sherman-Besatzung, drei weitere Crewmitglieder fanden den Tod.
d.) Alles nachgestellt ?
Rheindorf setzt dann beschwingt durch seinen vermeintlichen Rechercheerfolg in Sachen Foto-Fake noch einen drauf. Er schreibt die CIA an, um nun endlich höchstpersönlich die Vorgänge auf der Komödienstraße zu klären. Leider läßt laut Kommentierung Rheindorf die CIA seine Fragen im Kern unbeantwortet (wobei weder die Fragen noch die Antworten näher erläutert werden und man einfach dran glauben muß, daß an etwas vorbei geredet worden ist - möglicherweise hat die CIA die wirren Gedankengänge von Rheindorf ja einfach nur nicht verstehen oder nachvollziehen können - oder nur für wirklich zu unseriös gehalten ...). Und nur weil die böse CIA hier gegenüber Herrn Rheindorf partout nicht mit der Wahrheit rausrücken will und auch wirklich nur deswegen, muß Herr Rheindorf seinen Recherchestrang an dieser Stelle der Doku tatsächlich auch noch ohne finale endgültige Klärung einstellen... Das klingt für den Film alles schön mysteriös und soll dem Betrachter der Doku suggerieren, daß jetzt, wo sogar die CIA eingeschaltet (hereingezogen worden) ist und angeblich nur ausweichend reagiert hat, noch genügend Raum für Rheindorfs Verschwörungstheorien bleibt. Denn wenn schon die CIA nicht mit der Wahrheit rausrückt, muß das alles ja eine Verschwörung sein !
Jedenfalls klärt Rheindorf den Betrachter über die tatsächlichen Vorgänge in der Komödienstraße abschließend noch einmal auf. Zitat Rheindorf auf der DVD bei Laufzeit 01:51:35:
"Einen Abschuß hat es an dieser Stelle gegeben, aber war es wirklich genau hier ?"
Ein wunderschön sinnloser Satz. Wem sich der Sinn dieser Behauptung erschließen soll, bleibt fraglich. Ich sehe ihn jedenfalls nicht. Soll der Sherman woanders abgeschossen worden sein, es müßte aber schon zumindest diese Stelle gewesen sein ? Dann wurde er genau hier hin geschleppt, damit der Dom schön zu sehen ist und schließlich hat man den Kommandanten Kellner mit seinem abgeschossenen Bein noch einmal auf dem Sherman drapiert (er lag ja eigentlich schon zu Behandlungszwecken im Bombenkrater - von der Behandlung gibt es sogar ein Foto) ...?
... und abgesehen von dem Foto, auf das sich Rheindorf hier ja so isoliert stürzt, wurden denn dann die bekannten Filmaufnahmen der Beschußszene (mit dem Ausstieg Kellners) an exakt der gleichen örtlichen Position wie auf dem Foto auch nachgedreht ?
Links ein Ausschnitt des Ramage-Fotos, rechts das letzte Einzelbild aus dem gedrehten Film, das Foto muß kurz danach gemacht worden sein, Kellner liegt nur leicht verändert auf dem Sherman, die Qualmwolken sind in etwa gleich verteilt. Alles geschah also am gleichen Ort, Foto und Filmaufnahme.
Bei genauer Betrachtung der Ausstiegsszene von Kellner fällt auch auf, daß aus dem Sherman oben am Turm für kurze Zeit auch Flammen schlagen.
Genau wie bei den Szenen des brennenden Panthers ist es hier nicht vorstellbar, daß die damaligen Filmemacher den Panzer für eine Nachstellung sogar in Brand gesteckt haben (wo Rauchbomben sicherlich gereicht hätten), während schauspielende Soldaten im Panzer sitzen und aus ihm flüchten müssen. Und der aus dem Panzer flüchtende Kellner bzw. der entsprechende Schauspieler wäre sicherlich nicht auch noch freiwillig über den Bereich geklettert, wo kurz zuvor noch die Flammen gelodert haben - wie dies Kellner in dieser Szene gemacht hat.
Zudem: aus dem als solchem erkennbaren Beinstumpf von Kellner qualmt es. Hat man da etwa einem beinamputierten Schauspieler eine Rauchbombe ins Hosenbein gesteckt und ihn dann aus dem Panzer kriechen lassen ?
Noch unsinniger wird Rheindorfs Nachstellungstheorie, wenn man sich die Filmbilder des sich aus dem Sherman windenden Kellner ganz genau anschaut. Im Detail und bei langsamer Betrachtung jeden Einzelbildes wird die schwere Verletzung Kellners nämlich noch deutlicher. Das Bein ist nicht "sauber" abgetrennt, auf einzelnen Bildern kann man noch am Beinstumpf hängende Knochen bzw. Hautfetzen sehen, die mit entsprechender zeitlicher Verzögerung der Bewegung des Beinstumpfes folgen und auch unter dem Stumpf pendeln:
Oberer gestrichelter Pfeil jeweils linkes Knie des Soldaten, unter dem das Bein abgetrennt wurde, unterer gestrichelter Pfeil jeweils Fuß des rechten Beins. Sonstige Pfeile zeigen die Knochen bzw. Hautfetzen, die noch am Beinstumpf hängen. Diese spezielle Szene in der Loop-Animation
Eine genauere Schilderung, was in den Filmbildern im Detail zu sehen ist, vermeide ich nun. Deutlich wird aber, daß der Vorwurf der Nachstellung vollkommen irrsinnig ist. Kein Mensch (Herr Rheindorf offensichtlich auszunehmen) wird ernsthaft behaupten wollen, daß man bei der Nachstellung eines Treffers für amerikanische Wochenschauen im Jahr 1945 einem Schauspieler an den Beinstumpf nebst Rauchbombe noch zerfetzte Beinreste gebunden hätte oder Gegenstände, die dies so erscheinen lassen...
Zumal es ansonsten auch ein absolutes "No Go" war, in Wochenschauen verletzte eigene Soldaten zu zeigen. Der Kameramann (der generell auf die Auswahl bestimmter Szenen für Wochenschauen auch gar keinen Einfluß hatte) hätte hier also eigentlich davon ausgehen müssen, daß diese Bilder mit dem Verletzten Soldaten gar nicht der Öffentlichkeit gezeigt würden. Diese Bilder wären also normalerweise ein Fall für die Abfalltonne gewesen. Und einem solchen Fall hätte er sich dann mit Sicherheit auch nicht die Mühe gemacht, solche - zudem aufwendigen - Szenen überhaupt erst nachzustellen.
Auch dies spricht gegen die Theorie, daß es hier eine Nachstellung der Szene gegeben hat.
Wann hätten diese Szenen in der Komödienstraße überhaupt nachgestellt werden sollen ?
Am Abend des 6. März hätte dies aufgrund einbrechender Dunkelheit und notwendiger logistischer Vorbereitungen sicherlich nicht mehr erfolgen können. Wie ein am 7. oder 8. März vom Dom aus aufgenommenes Foto der Domumgebung zeigt, waren bereits vor dieser Aufnahme auf der Komödienstraße durch Bulldozer die dort befindlichen riesigen Schuttberge zur Seite geräumt worden. Da auf den Aufnahmen mit dem Treffer des Sherman im Hintergrund noch die Schuttberge auf der Straße liegen und man ziemlich sicher davon ausgehen darf, daß hier nach einer vorherigen Räumung nicht riesige Schuttberge für spätere Filmaufnahmen extra wieder auf die Straße befördert worden sind, können die Aufnahmen zwangsläufig allenfalls am 7. März oder am 8. März nachgestellt worden sein. Nun ist allgemein bekannt, daß der abgeschossene Panther noch lange Zeit nach seinem Abschuß am 6. März an der Position am Ende der Komödienstraße stehen geblieben war. Fakt ist also, daß der Panther auf nachgestellten Bildern oder Filmaufnahmen dann zu sehen sein müßte. Ist er das ?
Es gibt ein Bild von George Silk, aufgenommen nach Abschluß aller Gefechte am Dom, vermutlich am frühen Morgen des 7. März, auf dem der Panther zu sehen ist, der auf den Sherman geschossen hat. Zu sehen ist auf diesem Bild rechts der getroffene Sherman aus der Filmaufnahme und dem Ramage-Foto, viel Schutt auf der Straße und im Hintergrund an der Straßenecke Marzellenstraße, am Ende der Komödienstraße, der brennende Panther. Auffällig ist, daß der Panther dort wirklich gut zu erkennen ist, er ist nicht unauffällig oder leicht zu übersehen:
Nun schauen wir uns einen Vergleich von Filmbildern kurz vor und nach dem Sherman-Treffer an, also den nach Aussage von Rheindorf ja angeblich nachgestellten Filmbildern: Im Hintergrund ist vor (rechts) und kurz nach dem Beschuß (links) kein deutscher Panzer dort zu erkennen, wo er später auf dem Foto von Silk zu sehen ist. Zur Erinnerung: nach den obigen Feststellungen müßte dort ja auf jeden Fall der abgeschossene Panther zu sehen sein, wenn die Aufnahmen tatsächlich später nachgestellt worden wären.
Video-Popup: Originalfilm unter die Lupe genommen. Die Original-Filmszenen, denen ich die obigen beiden Standbilder entnommen hatte, habe ich mit einer Videosoftware bearbeitet und den Bereich gezoomt, wo der Panther später stand, als er vom Pershing abgeschoßen wurde - an der Straßenecke vor dem Dom. Zum Zeitpunkt des Beschusses des Sherman stand er aber jedenfalls noch nicht dort, wie diese gezoomten Filmbilder auch noch einmal beweisen.
Tja, auch diese recht einfach anzustellenden Überlegungen und Bildvergleiche zeigen, wie nachlässig Rheindorf hier bei der Aufstellung seiner These, daß die Aufnahmen später nachgestellt worden sind, vorgegangen ist. Schon weil der Panther dort nicht steht, können die Aufnahmen nicht nachgestellt worden sein.
Aber das ist immer noch nicht alles an Beweisen gegen die Fake-Theorie. Ein weiteres "Meisterstück" journalistischer Arbeit ist nicht weit entfernt. In seinem Wahn festzustellen, daß der Sherman Panzer gar nicht an dieser Stelle abgeschossen worden ist und alles dort nachgestellt worden ist, befragt Rheindorf den amerikanischen Armeekameramanns Robert Ziller, der am nächsten Morgen nach dem Panzerduell nach Köln kam und nach seinen Angaben die Kampfstelle besichtigte. In der Doku schildert Robert Ziller dann seine Erlebnisse in Köln, wie er dort an den Panzer kam und auch eine Leiche aus dem Sherman heraus hängen sah.
Diese Aussage stimmt überein mit der Erkenntnis, daß der Fahrer des Sherman namens Patrick, der wie sein Crewkollege Speer direkt beim Einschlag der Granate ums Leben gekommen war, tot aus seiner Luke heraus ragte. Auf der Webseite von Gettyimages ist ein Bild zu sehen, auf dem er mit schweren Kopfwunden tot aus der Fahrerluke heraus ragt - nichts für empfindliche Personen !
Rheindorf sieht in dieser Aussage zwar den bisher stärksten Beweis, daß der Abschuß des Sherman dort doch in der bekannten Form stattgefunden hat. Da er in der Doku danach aber noch weitere vermeintliche Beweise gegen die Echtheit vorlegt, begnügt er sich an dieser Stelle damit, darauf hinzuweisen, daß es merkwürdig sei, daß der tote Soldat noch am nächsten Morgen im Panzer gesessen haben sollte und daß der Vorfall schon so lange her und damit nicht ausgeschlossen sei, daß Ziller sich getäuscht habe und einen anderen amerikanischen Panzer irgendwo am Dom gesehen haben könnte, in dem eine Leiche lag. Mit diesem Tenor, daß der Wert der Aussage Zillers eher fraglich ist, neigt er sich sodann seinen weiteren angeblichen Beweisen zu.
Was er an dieser Stelle aber verschweigt ist ein Artikel aus der Newsweek vom 19. März 1945, (S. 32, "Al Newman in Cologne: Madness, Death, Poison") der das Geschehen am 6. März dort in der Komödienstraße beschreibt: Quelle: DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf Diesen Artikel des Kriegskorrespondenten Al Newman zeigt er selber an einer ganz anderen Stelle kurz in seiner Doku, an der es darum geht darzulegen, daß das Duell in der ganzen Welt verbreitet worden ist. In dem Artikel berichtet der Autor mit sehr blumigen und daher nicht ganz so leicht zu übersetzenden Worten:
"... der Fahrer berichtete, daß ein Nazi Panther Panzer einen der Shermans erwischt hatte.
Nach zwei Blocks des kriechens entlang der zerstörten Mauern der Komödienstraße erreichte ich die Frontlinie. In einem Schuttkrater lag ein toter Mann. Sein linkes Bein war eine Vermischung von Blut und Knochen. Der scharlachrote Blutaderstauer, welcher sein Leben nicht retten konnte, war immer noch um seinen Stumpf gewickelt. Ein zerstörter Sherman stand 50 feet [= 15 m] weiter neben der gut zermatschten Wand. Der Kopf seines toten Fahrers ragte aus der Luke heraus mit leeren Augen starrend auf die letzte furchtbare Aussicht, die er in seinem Leben gehabt hat, den Panther keine 150 yards [=137 m] weiter an der nordwestlichen Ecke des Domklosters oder Domplatz."
Rheindorf kennt also diesen quasi kurz nach dem Ereignis geschriebenen Artikel und äußert an anderer Stelle der Doku zeitgleich Bedenken an Zillers hinsichtlich des Toten im Sherman genau identischer Aussage, weil diese über 60 Jahre später nach den Ereignissen eine reine Verwechslung darstellen könnte.
Natürlich ist es eine berechtigte Frage, warum der tote Fahrer noch am frühen nächsten Morgen im Sherman gesessen haben sollte. Das wird man aber leider nicht mehr klären können. Was man aber nicht vom Tisch wischen kann ist, daß der Zeitungsartikel, den Ablauf der Geschehnisse detailreich bestätigt. Die Entfernungen und Ortsangaben stimmen mit den Filmberichten und allen bekannten Schilderungen überein. Es gibt ein Foto des toten Sherman-Fahrer Patrick und die Verletzung von Kellner ist stimmig beschrieben.
3. Meine Quintessenz: Rheindorfs These ist sang und klanglos untergegangen. Die Umstände, Tatsachen und vernünftige Überlegungen widerlegen wieder einmal eine seiner Thesen. In diesem Fall die These, daß das berühmte Foto von Ramage in der Komödienstrasse und die entsprechenden Filmaufnahmen eine Fälschung sind.
IV. Fazit
Hermann Rheindorf ist mit seiner Dokumentation mit dem Anspruch angetreten, die "bittere Wahrheit" über das Panzerduell zu verkünden. Meine Nachforschungen und Gedanken zu seinen Thesen haben aber ergeben, daß es eher Rheindorfs persönliche Wahrheit ist, jedoch nicht eine objektiv nachweisbare Wahrheit.
Das Rezept zur Erzielung dieser persönlichen Wahrheit:
Man nehme eine handvoll Experten. Einer davon versagt zwar - wie wir jetzt wissen - schon bei der Kabeltheorie, die anderen bestätigen aber immerhin, daß gewisse Abläufe durchaus denkbar wären aber nicht, daß sie tatsächlich so waren. Beim Experten des Imperial War Museums hat man die ganze Doku lang das Gefühl, daß ihn die Thesen Rheindorfs eher amüsieren als daß er diese richtig ernst nimmt.
Dazu nehme man weiterhin eine handvoll Zeitzeugen. Leider leben ja die meisten nicht mehr, aber bei den Zeitzeugen für Rheindorfs Theorien dürfen dann immerhin Familienmitglieder oder Freunde ran und müssen für die Überlieferung der Erzählungen sorgen. Ein überlebender Zeitzeuge lügt leider, wie Rheindorf aber immerhin selber herausfindet und sicher hofft, daß dies seine anderen Feststellungen dann umso glaubhafter macht.
Weiterhin läßt man verschiedene Zeitzeugen vor laufender Kamera Lob über den Dokumentarfilmer ausschütten, daß ohne diese Recherche ja nie soviel über damalige Vorgänge oder das Schicksal einer Einheit oder naher Familienangehöriger herausgefunden worden wäre.
Dann werfe man noch diverse bedeutungsschwangere Anspielungen oder nicht belegte Feststellungen in den Raum, stelle einzelne Sätze aus Beweisdokumenten so zusammen, daß sie die Theorie stützen (Millers Brief), und erzähle dies mit einer an den entscheidenden Stellen depressiv düsteren Kommentarstimme, die einen ohne Probleme sogar von einem unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt überzeugen könnte. Schließlich werte man das Ganze noch durch die Einbindung einer weltbekannten Institution auf, in diesem Fall die CIA, daß dies am Ende natürlich ergebnislos verläuft, ist ja unerheblich.
Ein schneller und militärisch nicht beschlagener Konsument der Dokumentation wird von der Bilderflut und den geschickten Darstellungen des Autors schnell überrannt werden und alles für bare Münze nehmen, was ihm da vorgelegt wird. Sobald man sich aber etwas tiefergehend mit den vorgestellten Theorien beschäftigt, fallen diese schnell in sich zusammen.
Nein, solange Rheindorf nicht echte Beweismittel vorlegen kann - was nach meinen Darstellungen auf den vergangenen vielen Seiten sicher nicht zu erwarten ist -, wird man seine Theorie mit der gleichen Bedeutung in die selbe Schublade legen können, wie die Theorie der nie erfolgten Mondlandung und die angebliche Landung von Außerirdischen im amerikanischen Rosswell im Juli 1947.
Ich werde auch weiterhin nach Bildern oder anderen Hinweisen suchen und diese Seiten bei neuen interessanten Beweisen entsprechend aktualisieren bzw. erweitern.
V. Ein PS
Von Dan Fong, einem amerikanischen Militärexperten, erhalte ich noch einen kleinen Hinweis auf einige Filmszenen in der Dokumentation Rheindorfs. Quelle: DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf
Entsprechend der Filmkommentierung zeigen mehrere im Rahmen einer chronologischen Darstellung des 5. und 6. März 1945 gezeigte Filmszenen (auch Bildausschnitt oben) die 104. Infantry Division, auch "Timberwolves oder Timberwolf Division" genannt, am Stadtrand von Köln kurz vor dem Abmarsch Richtung Kölner Stadtgebiete rund um Vogelsanger Straße / Dürener Straße.
"This tanks are Cromwell tanks. They would be no where near Cologne.
The Cromwell tank was never used by any American unit and with the 9th US Army between the 1st US Army and the British 21st Army Group, there is no chance of a British unit being any where near Cologne.
The unit using those Cromwell tanks are Czechoslovakian. The 1st Czechoslovakian Armored Brigade was part of the British 21st Army Group and was used to lay siege to Dunkirk, France. They did that from1944 to the end of the war. The czechoslovakian infantrymen are dressed in British uniforms and the small arms are all British. So those tanks in the documentary are no where near Cologne."
Übersetzung:
"Diese Panzer sind Cromwell Panzer. Diese wären niemals in der Nähe von Köln gewesen. Der Cromwell Panzer wurde nie von amerikanischen Einheiten verwendet und mit der 9th US Army zwischen der 1st US Army und der britischen 21st Army Group ist es ausgeschlossen, daß eine britische Einheit irgendwo in der Nähe von Köln war.
Die Einheit, die diese Panzer nutzten sind Tschechen. Die 1st Czechoslovakian Armored Brigade war Teil der British 21st Army Group und belagerte Dünkirchen in Frankreich. Sie waren Bestandteil von 1944 bis zum Ende des Krieges. Die tschechischen Infanteriesoldaten tragen britische Uniformen und die zu sehenen kleineren Waffen sind auch britisch. Somit waren diese in der Dokumentation gezeigten Panzer niemals in der Nähe von Köln.
Die von Rheindorf verwendeten angeblichen Kölner Filmaufnahmen können danach also gar nicht in Köln erstellt worden sein. Das paßt stimmig zu der Erkenntnis, daß solche Cromwell Panzer in den vielen weiteren Filmaufnahmen des Einmarsches in Köln auch nicht zu sehen sind. Dort sieht man zwar viele Panzer, aber ein Cromwell Panzer ist nicht darunter.
VI. Noch ein PS
Die Theorien von Rheindorf finden leider auch bei dem Buchautor Dr. Wingolf Scherer Gehör. Er beschäftigt sich in seinem Buch "US-Sturmlauf von der Rur an den Rhein zwischen Köln und Krefeld", Helios Verlag 2011 insbesondere mit dem Foto von Fred Ramage. Auch nach seiner Ansicht handelt es sich bei diesem Foto um eine Nachstellung. Er findet die Uniformen nebst Schnürstiefeln der beiden Soldaten links im Bild in seinem Buch "seltsam" und die Zuordnung der Flüchtenden - im rechten Winkel laufend, einer mit Vorderansicht, einer mit Seitenansicht, in der Laufbewegung synchron - gesucht fotogen.
In einem Telefonat teilte er mir dazu erläuternd mit, daß er im Krieg (er ist Jahrgang 1924) amerikanischen Panzern begegnet sei und die Besatzungen andere Uniformen getragen hätten als die zwei auf dem Foto von Ramage tragen, insbesondere auch keine Schnürstiefel. Diese hätten die amerikanischen Panzerbesatzungen nicht getragen. Zudem würden die beiden Soldaten auf dem Foto keine Helme tragen und auch keine Waffen, was aber nach beim Verlassen des Panzers nach den Vorschriften ausdrücklich vorgeschrieben war. Schließlich sei es ungewöhnlich, daß ein Soldat im Schußfeld des Feindes einfach so über die Straße gelaufen wäre, wie der eine Soldat dies tut.
Ich habe ihn dann darauf hingewiesen, daß der rechte Soldat dem schwer verletzten Kellner zu Hilfe eilen würde, der auf dem Sherman liegt und man in einer solchen Situation vermutlich einfach nur mehr oder weniger kopflos über die Straße zu Hilfe läuft, wenn man da einen verletzten und vielleicht auch noch bekannten Kollegen sieht. Und was stellt sich da heraus. Den Kommandanten Kellner hatte Dr. Scherer auf dem Foto bisher noch gar nicht gesehen ! Daß dort rechts der schwer verletzte Kommandant Kellner zu sehen ist, war ihm neu ... Leider übersehen aber doch eine ganz wichtiges Kriterium bei einer Bewertung der Echtheit des Fotos. Wie schon ganz oben in meinen Abhandlungen beschrieben, ist es nicht denkbar, daß Kellner mit echten schweren Verletzung oder ein Schauspieler mit derart simulierten Verletzungen in einer Nachstellung dort zu sehen sein dürfte.
Wiederum bei Dan Fong hole ich mir nach dem Telefongespräch Fachhilfe zur Uniformfrage. Er teilt mir mit, daß es gerade bei der 3AD nicht unüblich war, die Uniformen etwas weniger Vorschriftenstreng zu tragen. Da suchte man sich schon einmal Kombinationen zusammen. Von Panzerbesatzungen wurden dann schon mal gerne über Beziehungen die eigentlich nur für die Fallschirmjäger vorgesehenen Schnürstiefel besorgt. Bis zum Herbst 1944 kamen als Ersatz für die bisher üblichen M1941 Uniformen die sogenannten M1943 Uniformen auf, bei denen dann auch die 1945 überall zu sehenden Panzerfahrer-Jacken dabei waren.
Quintessenz: die Uniform der beiden amerikanischen Soldaten auf dem Foto findet der amerikanische Militärexperte Fong nicht ungewöhnlich.
Auch Fotos vom 6./7. März 1945 bestätigen das: Links: auch dieser amerikanische Panzersoldat trägt am 6. März in Köln diese Stiefel, Aufnahme von der Venloer Straße. Rechts: Asst. Gunner John Deriggi von der Pershing Besatzung mit diesen Stiefeln Asst. Driver Homer Davis und Asst. Gunner John Deriggi am 7. März 1945 vermutlich mit Uniformen aus der M1943 Reihe, die mit den Uniformen der beiden Soldaten auf dem Ramage Foto (rechts) so gut wie identisch sind. Und auch der Kommandant Kellner vom abgeschossenen Sherman trägt offensichtlich diese Schnürstiefel, wie auf dem weiter oben zu sehendem Bildausschnitt zu sehen ist.
Tja, und hinsichtlich des vermeintlich gesucht fotogenen Laufs der beiden Soldaten. Nun, ein rechter Winkel ergab sich zwangsläufig, wenn einer zum anderen Sherman gelaufen ist und der zweite Richtung Kameramann und damit ergibt sich auch zwangsläufig eine Vorderansicht und eine Seitenansicht. Und das Synchrone ergibt sich in der Regel auch eher zufällig, wenn zwei Personen gleichzeitig loslaufen, macht der Fotograf in einer bestimmten Sekunde das Foto und man sieht dann zwei gleichzeitig laufende Personen. Und absolut synchron ist der Lauf der beiden Soldaten ja nun auch nicht, der eine hat gerade sein linkes Bein vorne, der andere sein rechtes Bein fast vorne.
Foto: Thomassk aus der deutschsprachigen Wikipedia Ups, die laufen ja alle synchron ... Ja, wie sollen sie denn sonst laufen, so wie hier bei einem zufällig im Web gefundenen Marathonlauf-Foto sieht es halt aus, wenn 2 oder mehr Menschen laufen ???
Foto: Thomas Schmidtkonz aus der deutschsprachigen Wikipedia Noch ein per Zufallsprinzip ausgewähltes Marathonfoto. Ist das jetzt auch nachgestellt, weil die zwei Läufer so gesucht fotogen und synchron laufen ?
Schließlich die Helm- und Waffenfrage. Nun, in einer Leben- oder Todsituation, in der man schnell aus einem Panzer fliehen muß, der getroffen wurde oder jeden Moment getroffen werden könnte, ist es nicht ungewöhnlich, wenn die sonst üblichen Vorgehensweisen etwa wie bei einem normalen Ausstieg durcheinander kommen. Dann erst noch nach einem Helm zu suchen oder nach Waffen, kann entscheidende Sekunden zu lang dauern. Waffen wurden auch nicht gerne im Panzer getragen, da sie sich bei einem eventuell notwendigen Fluchtausstieg verhaken konnten. Zudem waren in der Nähe der Sherman weitere eigene Soldaten, so daß eine eigene Waffe für die Panzersoldaten in dieser konkreten Situation sicher nicht das allerwichtigste war. Also ganz so ungewöhnlich wie dargestellt war das Nicht-Tragen von Helm oder Waffen hier keineswegs.
Nein, ich muß sagen, die Thesen von Dr. Scherer reißen mich genaus so wenig vom Hocker wie die von Rheindorf. Es wirkt doch alles sehr konstruiert, bemüht und nicht überzeugend. Aber ein netter Versuch ...
Ende
Mein Dank gilt allen, die mich bei der Recherche in verschiedenster Form unterstützt haben, insbesondere:
Bilderbuch-Koeln.de, Dr. phil. Detlef Bunk, Michael Canaday, Dirk Dormurat, Hermann Driever, Danny Fong, Doug Gialluca, Alicia Griffin, Historische Straßenbahn Köln e.V., Michael Kilp, Franz Lürbke, Gernot Meinerzhagen, Winston Ramsey, Redaktion After the Battle, Rheinisches Bildarchiv Köln, Marco Seehase, Clarence Smoyer, David Stockham, Dr. Frank Warda, Willi Weiss
Dank auch an die Mailschreiber aus aller Welt, die mir ihr Feedback und ihre Unterstützung haben zukommen lassen.
Und schließlich möchte ich auch Hermann Rheindorf danken, da erst sein "besonderes" Verhalten mir gegenüber bei mir zu der notwendigen Motivation zu dieser derart detaillierten und umfangreichen Ausarbeitung geführt hat.
Internet Quellen des Originalfilms von Bates und Rosenmann